Projektbeschreibung
zurück
verlinkung
*NEWS*
Aktuell ist unsere kleine Band auf 6 Schülerinnen und Schüler "geschrumpft".
Einige Schüler konnten scheinbar nicht die nötige Disziplin oder auch das nötige Interesse aufbringen,
um regelmäßig mit uns zu musizieren. Einige Schüler aus Afghanistan sind traurig über eine
drohende Abschiebung (Negativbescheid) und können nicht mitproben, da es ihr Gemütszustand nicht zulässt. Stattdessen müssen sie Termine mit einem Anwalt wahrnehmen. Das macht es uns wirklich nicht leicht....Aber es gibt auch grandiose, rührende Momente in unserem "Probeklassenzimmer" ..., wo wir nur ein Mal pro Woche für 1,5 Stunden proben können. Ein Beispiel:
Die 16jährige Liyan aus Somalia hat ihr Talent an der Gitarre entdeckt (vor 3 Monaten hatte sie noch nie eine Gitarre in der Hand) und wir konnten ihr eine Gitarre aus Spendenmitteln überreichen, mit der sie jetzt auch zu Hause üben kann.

Umso stolzer sind wir jedoch darüber, dass unser "Song" so langsam Konturen annimmt.

(Jörg Christiani)


----------------------------------------------------------INFO---------------------------------------------------------------------------------------------------
Das Projekt "Musik nach der Flucht" bringt junge, geflüchtete Menschen aus drei verschiedenen Klassen zu einem gemeinsamen Zweck zusammen: Miteinander Musik zu machen! & Gemeinsam einen Song zu texten bzw. zu komponieren und diesen dann live spielen zu können.

Die drei Flüchtlings-Klassen à 20 Schülerinnen und Schüler werden seit April 2016 (teilweise auch seit einem späteren Zeitpunkt) an der Friedrich-Ebert-Schule in Wiesbaden beschult. Demnach sind die jungen Menschen erst seit kurzer Zeit mit den neuen Gegebenheiten ihres aktuellen Zuhauses Wiesbaden konfrontiert und stehen auch, was das Erlernen der deutschen Sprache angeht, erst am Anfang.

Im regulären Deutschunterricht zeigte sich jedoch auch, dass einige Schülerinnen und Schüler musikbegeistert sind. Sie hören gerne Musik. Aus diesem Grund wurde die Idee von Lehrer Jörg Christiani geboren, die musikinteressierten Schülerinnen und Schüler zusammenzubringen. Eine Flyer-Aktion nebst Beschreibung der Projektidee im Unterricht sowie die Erläuterung des gerade laufenden Leonard-Awards sorgten dafür, dass sich am Mittwoch vor den Herbstferien (12.10.2016) ca. 14 interessierte Schülerinnen und Schüler versammelten. Nochmals wurde die Idee, ein Musik-Projekt anzustoßen, erläutert und tatsächlich Motivation bzw. Interesse bei den Schülerinnen und Schülern geweckt.

Die Friedrich-Ebert-Schule ist eine gewerblich-technische berufliche Schule ohne musischen Schwerpunkt. Musikalisch-künstlerische Projekte finden trotzdem aufgrund von Eigeninitiative seitens der Lehrerschaft und auch aufgrund des Ausbildungsberufes 'Fachkraft für Veranstaltungstechnik' regelmäßig statt.

Seit November 2016 trifft sich nun regelmäßig ein Kern von ca. 10 Schülerinnen und Schülern immer mittwochs von 11.00 bis 12.30 Uhr in einem ehemaligen Chemieraum, der zu einem Musikraum umfunktioniert wurde. Zu Verfügung stehen Instrumente der Schulband, gespendete Instrumente sowie eigens für das Musikprojekt angeschaffte und durch den Förderverein der Schule finanzierte Starter-Instrumenten-Sets. Keine(r ) der Schülerinnen und Schüler hat bisher ein Instrument gespielt. Lediglich zwei Schüler konnten eine Melodie auf dem Klavier spielen, die nun als Ausgangspunkt allen Schaffens fungiert. Mittlerweile erhält Lehrer Christiani tatkräftige Unterstützung von seinem Kollegen Charly Mutschler, sofern dieser aufgrund seiner eigenen schulalltäglichen Aktivitäten verfügbar ist.

Gemeinsam möchte das Lehrerteam Christiani/Mutschler es diesen jungen Schülerinnen und Schülern nun ermöglichen, sich für ein paar Stunden wöchentlich in der Welt der Musik zu verlieren, in einen kreativen Freiraum abzutauchen und dabei nebenbei zu lernen, was es heißt, eine Sache gemeinsam durchzuziehen und miteinander zu kommunizieren. Auf Deutsch und über die Sprache der Musik, die über Landes- und Kulturgrenzen hinweg verstanden werden kann.

Die besonderen Herausforderungen dieses Projekts in zusammengefasster Form:
-die Schülerinnen und Schüler besitzen keine musikalischen Vorkenntnisse und Deutschkenntnisse im Anfängerstadium
-die zeitliche und räumliche Planung erfordert ständige Koordination, Kommunikation und Disziplin
-es stehen nur 2 Stunden wöchentlich zur Verfügung (abzüglich der Schulferien)
-die Schülerinnen und Schüler können nicht zu Hause üben
-die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrer meistern dieses Projekt inmitten des regulären
Stundenplans, da vor und nach der Musikprobe regulärer Unterricht stattfindet.

Die regelmäßig teilnehmenden 10 Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlicher Herkunft (Somalia, Afghanistan, Syrien) können durch dieses Projekt vieles lernen und erfahren. Möglich ist z.B. ein wachsendes Gemeinschaftsgefühl, welches in der Lage ist, die Grenzen von Klassenzugehörigkeit, Nationalität und Geschlecht zu verwischen. Ebenso ist eine Zunahme des individuellen Selbstbewusstseins denkbar, wenn man sich zudem vorstellt, was ein musikalischer Auftritt vor Publikum in der Schule und/oder in der Öffentlichkeit für die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler in Bezug auf ihre Selbstwirksamkeit bedeuten könnte. Ebenso lernen die Schülerinnen und Schüler, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, da jedes Projektmitglied eine tragende Rolle spielt und somit auch pünktliches Erscheinen zu den Probeterminen oder auch rechtzeitiges Absagen wichtig sind. Und zu guter Letzt lernen die Schülerinnen und Schüler 'spielerisch', sich und ihre Gefühle mittels Musik und Text (sogar auf Deutsch) auszudrücken bzw. zu kommunizieren. Abschließend bleibt die vielleicht letzte, zu nennende, Erfahrung: Das Leben kann auch Spaß machen und es tut gut, wenn man gemeinsam lacht! Und am liebsten mit Musik!
Projekt Fotos
Projekt Videos
997 Leute haben dieses Projekt angeschaut
zurück
verlinkung